Das Mondlamm

Es war einmal der Mond. Auf dem Mond wuchsen viele Mondblumen, deren Blüten aussahen wie kleine Monde. Auf den Blüten der Blumen wuchsen kleinere Mondblumen und immer so weiter. Auf dem Mond da war auch ein Mondlamm, lustig hüpfte und hoppste es von Krater zu Krater. Alles war unendlich leicht. Das Lamm war fröhlich, biss hier und da mal eine Mondblume ab, um sie genüsslich zu kauen oder betrachtete einfach nur träumend den Sternenhimmel oder den seltsamen blauen Ball, der meist am Himmel zu sehen war und der jeden Tag von neuem aufzugehen schien.

Das Lamm genoss jeden Tag, hüpfen und hoppsen waren seine Lieblingsbeschäftigungen und auf dem Mond lässt es sich schon ziemlich gut hüpfen. Die Mondblumen schmeckten äußerst gut und waren durch das leichte blaue Glitzern, das die grauen Blüten durchzog, ein wahrer Augenschmaus.

Wenn das Lamm einen wirklich schlechten Tag hatte – zum Beispiel hatte es sich einmal den Fuß verstaucht, als es einen besonders hohen und weiten Sprung machen wollte, mit dem es gleich zwei Krater auf einmal übersprungen hatte. An solchen Tagen lag das Lamm dann da und war ein wenig traurig, dass es doch das einzige Lamm auf dem Mond war. Aber solche Tage kamen selten vor, denn normalerweise wusste das Lamm, wie es zu hüpfen und zu hoppsen hatte, um sich nicht zu verletzen.

Eines Tages aber geschah etwas sehr Merkwürdiges, irgendetwas sehr Seltsames war da am Himmel, es kam dem Mond immer näher. Das Lamm hatte so etwas noch nie gesehen und wunderte sich natürlich, voller Aufregung hüpfte es dem Etwas entgegen, um besser sehen zu können. Es war eine Rakete und Menschen stiegen heraus, aber das Lamm kannte ja keine Menschen und sprang in eilig-neugierigen Bögen in Richtung Rakete.

Die Rakete war nun auf dem Mond gelandet. Die Besatzung zog sich langsam die notwendige Kleidung an, auf dem Mond gibt es ja keine Luft, so dass das nötig war. Die Astronauten stiegen also aus und machten sich sofort daran, eine Flagge zu hissen. Danach widmeten sie sich dem Boden und nahmen ein paar Gesteinsproben.

Einer der Astronauten erblickte erschreckt das Mondlamm, hielt er sich doch nun für verrückt. Ein Lamm auf dem Mond und ein wild hüpfendes noch dazu, ihm müsse der lange Flug wirklich nicht gut getan haben. Er sagte den anderen nichts davon. Doch irgendwann war das Lamm bei ihnen und es war nicht mehr zu leugnen, dass es tatsächlich ein Lamm war. Die Menschen waren wirklich erstaunt ob ihres Fundes und entschlossen sich, das Lamm mit zur Erde zu nehmen, um es dort untersuchen zu lassen.

Das Lamm betrachtete die Menschen aufgeregt und stieg mit ihnen in die Rakete. Es waren viele buntblinkende Knöpfe in der Rakete, die das Lamm fasziniert anstarrte. Die Menschen gaben komische Laute von sich, die nicht zu verstehen waren. Das Lamm aber war glücklich, besonders als einer der Astronauten ihm ein Stück von einem Schokoriegel abgab.

Auf einmal fing der Boden an zu wackeln und das Lamm wurde Richtung Boden gedrückt, nur um ein paar Augenblicke später in gar keine Richtung mehr gedrückt zu werden. Die Schwerelosigkeit gefiel ihm noch viel besser als das Herumtollen auf dem Mond, es mochte seine neuen Freunde, die Astronauten, sehr, hatten sie dies doch möglich gemacht.

An der Erde angekommen übergaben die Astronauten das Lamm ein paar Wissenschaftlern, diese untersuchten das Mondlamm kurz, nur um zu dem Entschluss zu kommen, dass es ein ganz gewöhnliches Lamm ist. Es gibt auch keine plausible Erklärung dafür, dass ein Lamm alleine auf dem Mond lebt und dass es dort so ganz ohne Sauerstoff überleben kann. Nein, das Lamm war vollends uninteressant, undenkbar und unmöglich und so stürzten sich die Wissenschaftler auf die Gesteinsproben, die ihnen mitgebracht wurden.

So kam das Lamm auf eine Farm, auf eine schöne grüne Wiese mit anderen Lämmern.

Die Erde gefiel dem Lamm aber nicht wirklich, alles war so unwirklich und schwer auf diesem Planeten, es schien ganz und gar am Boden festzukleben. Das Hoppsen und Hüpfen wurde zu einer Tortur und so lag das Mondlamm nur noch den ganzen Tag schmollend im Gras. Die anderen Lämmer wollten dem Mondlamm helfen, doch verstanden sie sich einfach nicht, sprachen sie doch völlig unterschiedliche Sprachen. Das Mondlamm wollte nur zurück zum Mond und wieder fröhlich um die Mondblumen tanzen und lachen. Auf der Erde aber war alles reichlich schlecht, so dass selbst die anderen Lämmer nichts daran änderten, so viel Mühe sie sich auch gaben.

Das Mondlamm überlegte, wie es sich nur den Menschen mitteilen könnte, damit sie es wieder auf den Mond schießen, auf den geliebten, leichten Mond. Doch dem Lamm kam keine Idee und es wurde mit jedem Tag trauriger und trauriger und die anderen Lämmer ließen von ihren Bemühungen ab, das Lamm zu trösten, da alles nichts zu helfen schien.

Eines Tages kam ein kleiner Junge auf einem Fahrrad vorbei. Er stürzte. Stieg wieder auf und fuhr weiter.

Das Lamm fragte sich nun, warum es nicht selbst darauf gekommen war. Es versuchte also aufzustehen, doch es hatte sich kaum erhoben, da plumpste es wieder auf seinen Bauch, das ganze Herumliegen hatte es noch schlimmer gemacht. Ein weiteres Mal versuchte das Lamm aufzustehen, stand dieses Mal ein wenig länger auf den wackeligen Beinen, doch plumpste wieder auf den Bauch. Erschöpft lag es nun da und schnappte nach Luft. Es aß ein wenig Gras, um sich zu stärken. Dann versuchte es nochmal aufzustehen und es klappte immer besser, nun schaffte es schon einige tappsige Schritte zu machen. Das Lamm erblickte nun auch die Stelle im Gras, auf der es immer lag. Irgendwie ließ dies das Mondlamm erschaudern und es plumpste auf den Bauch.

Weitere Tage vergingen und das Lamm übte jeden Tag weiter, es begann sogar damit, die Sprache der anderen Lämmer zu lernen und führte schon einige strauchelnde Gespräche. Und es fand immer mehr Gefallen an der Erde und es fragte sich, wie es es nur ausgehalten hatte, den ganzen Tag alleine auf dem Mond. Mit den anderen Lämmern zu hüpfen und zu hoppsen, das gefiel dem Lamm viel besser. Und nach einiger Zeit unermüdlichen Trainings – das Lamm nahm sogar Gewichte, die es sich auf den Rücken schnallte – sprang es wieder genau so wie früher auf dem Mond.